Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus

 

und die Liebe Gottes

 

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr.

 

Das ist die wohlvertraute Weihnachtsbotschaft. Ja, Freude würden wir gern erleben. Und das fällt in diesem Jahr so schwer angesichts der vielen Kranken und Toten, die der Corona-Virus uns beschert hat. Wir würden gerne wieder miteinander feiern, gemeinsam singen, uns gegenseitig beschenken. All das tun, was uns so vertraut ist, und was wir in diesem Jahr so schmerzlich vermissen, dass manche alle Vorsicht außer Acht lassen. Und selbst in diesen Weihnachtstagen lässt es uns nicht los. Der harte Lockdown zwingt uns, die Kontakte noch mehr einzuschränken- und wir dürfen auch in diesen Tagen nur in ganz kleinem Rahmen zusammenkommen.

 

Der Corona-Virus tötet nicht nur Menschen, er gefährdet auch die Gemeinschaft zwischen den Menschen. Zwingt uns auf Abstand zu gehen, wo wir viel lieber aufeinander zugehen würden. Alles, wo wir sonst Leben spüren, was uns als Menschen ausmacht, all das ist plötzlich in Gefahr. Isolation und Einsamkeit macht Vielen schwer zu schaffen.

 

Wir dürften von den rechtlichen Vorgaben eigentlich mit 50 Personen gemeinsam in der Kirche Gottesdienst feiern, aber angesichts der hohen Infektionszahlen schien es uns kaum verantwortlich. Und wie anders sieht das aus als sonst? Ohne Gemeindegesang oder Chöre, alle auf Abstand, mit Mund-Nasenschutz. Da bangt man doch, ob so überhaupt noch Weihnachtsgefühle entstehen können. Zumindest der Weihnachtsbaum steht wie gewohnt.

 

Was könnte uns die Freude wieder zurückbringen? Sinkende Fallzahlen, die uns Hoffnung signalisieren? Ein Impfstoff, der die Perspektive erkennen lässt, dass wir aus der Pandemie wieder heraus kommen? Positive Signale für die Wirtschaft, dass wir uns nicht um Existenz und Arbeitslosigkeit sorgen müssen? Das gibt dieses Mal eine lange Wunschliste, die teilweise ganz anders ausfällt als in früheren Jahren oder zumindest manche Wünsche viel dringlicher werden lassen als sonst.

 

Doch eine Rückkehr zum „Normalzustand“ wird möglicherweise noch lange auf sich warten lassen, wenn es überhaupt möglich ist. Selbst wenn ein Impfstoff da ist, wird es Zeit kosten, bis dieser Wirkstoff wirklich dauerhaft die Pandemie beenden kann.

 

Der Ruf nach einem Heiland, einem Retter, der war zu allen Zeiten zu hören. In jeder Notlage sehnen sich Menschen danach, dass da einer ist, der weiß, wie wir da herauskommen, der die richtigen Lösungen kennt, der zeigt, was wir selbst tun  können und der die Führung übernimmt und zeigt, wo es lang geht. Wie schnell wird jemand zum Heilsbringer stilisiert und hinterher sind die Enttäuschungen groß, wenn sich die Hoffnungen nicht erfüllen oder man erkennen muss, dass der Weg viel länger ist, als man sich das in all seinen Wünschen ausgemalt hat. Selten gibt es die schnellen Lösungen, die man sich wünscht, sondern der Weg zum Heil muss oft mühsam errungen werden.

 

Meist braucht es viel Geduld und Durchhaltevermögen, bis sich endlich Erfolge zeigen.

 

Die Weihnachtsgeschichte sagt: Der Retter, der Heiland  ist geboren. Freude wird angekündigt. Schon das erleben die Akteure der Weihnachtsgeschichte als ein positives Signal, das ihren Alltag verändert, dass sie Gott loben und jubeln lässt. Die Rettung wird kommen. Sie hat schon ihren Anfang genommen, wenn auch die Anfänge noch ganz klein sind. Auch wenn noch lange nicht ausgemacht ist, wie die Rettung aussieht, wann die Rettung geschieht, wann man endlich sagen kann: Die Rettung ist gelungen.

 

Was wird den Hirten angekündigt? Das Zeichen ist ein Kind, in Windeln gewickelt, das in einer Krippe liegt. Na gut, jedes Kind ist einzigartig, aber wenn es noch so klein ist, kann man noch kaum erkennen, was dieses Kind zu etwas Besonderem macht. Das man ein Kind in Windeln wickelt, ist auch nicht so absonderlich. Schon ungewöhnlicher ist, dass das Kind in eine Krippe gelegt ist, aus der sonst die Tiere ihre Nahrung futtern – Aber auch das gibt noch nicht viel her, als das man schon erkennen könnte, dass in diesem Kind die Kraft steckt die Welt zu verändern. Da braucht es schon einen Engel, der zumindest einen Fingerzeig gibt, das hier etwas anders ist als üblich.

 

Erst viel später, als dieses Kind bereits erwachsen war, hat er gezeigt, welche Kraft in ihm steckt und hinter ihm steht. Und er hat auch nicht einfach die Hoffnungen bedient, die die Menschen damals von dem Retter erwartet wurden. Die hatten eine schnelle Lösung erhofft. Erstmal die Fremdherrschaft beseitigen und dann für Frieden und Wohlstand im Lande sorgen.

 

Denn es ging erstmal darum zu entdecken, woran denn diese Welt krankt. Was ist es denn, wovor und wovon wir gerettet werden müssten? Was könnte dieser Welt wirklich Rettung bringen?

 

Jesus hat es uns gezeigt: Woran die Menschheit besonders krankt, ist die Lieblosigkeit, mit der die Menschen sich begegnen. Die fehlende Barmherzigkeit im Umgang miteinander. Das ist der Grund für den Unfrieden und die Ungerechtigkeit, die die Leute so bemängeln. Und dass die Menschen nicht nach Gottes Willen fragen, sondern stattdessen jeder meint, besser zu wissen, was gut ist für ihn und andere.

 

Jesus hat auf seine Art einen Impfstoff gegen diese Krankheit gebracht. Ja, er war sozusagen selbst der Impfstoff, den Gott in diese Welt gegeben hat, um sie von dem, was erkrankt ist zu befreien.

 

Er hat begonnen, den Menschen Geschichten zu erzählen. Geschichten, die den Menschen einleuchten, die eingängig und leicht nachvollziehbar sind. Aber Geschichten, die den Menschen auch die Augen öffneten für das, was Gott will: Das Gott uns Menschen in Liebe begegnet. Dass er nicht so lieblos ist, dass er Menschen auf einmal begangene Fehler festnagelt, sondern das er bereit ist zu vergeben, und uns immer wieder die Möglichkeit zum Neuanfang gibt.

 

Und diese Geschichten gaben auch Anregungen, neue Verhaltensweisen zu und Fähigkeiten zu entwickeln: Vergebungsbereitschaft, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und vieles mehr.

 

Und Jesus hat ihnen auch vorgelebt wie anders das Leben sein kann, wenn wir versuchen nach Gottes Willen zu leben. Wir alle können Gottes Kinder werden und Gottes Liebe weitertragen, wenn wir bereit sind, Gott ernst zu nehmen und uns daran orientieren. Dass Gott regiert auf dieser Welt, kann sofort beginnen, wenn wir bereit sind, auf ihn zu hören.

 

Wer die Botschaft Jesu in sein Herz lässt, der bildet Antikörper heraus gegen all das, was unsre Menschlichkeit torpediert. So kann man sich innerlich wappnen, und auch das überwinden, woran wir selbst kranken, wir können umkehren und einen neuen Weg einschlagen.

 

Ist das ein Impfstoff, der dauerhafte Immunität bewirkt? Wohl eher nicht. Immer wieder geraten wir in Situationen, in denen wir in die Gefahr geraten uns neu zu infizieren. . Und wir wissen von Phasen, in denen sich auch die Christliche Kirche manches Mal mit ihrem Handeln weit entfernt hat von dem, was Christus uns als Leitziel mit auf den Weg gegeben hat. Aber man kann diesen Impfstoff immer wieder auffrischen und sich gegenseitig stärken, um die Immunabwehr unseres Geistes neu anzuregen. Und je häufiger wir das tun, desto leichter fällt es uns, sich gegen den Virus der Lieblosigkeit zu wappnen und ihn nicht weiterzutragen, um andere ebenfalls damit anzustecken.

 

Die rettende Botschaft ist da. Das soll Freude in unsre Herzen tragen. Sie soll uns stärken und aufrichten. Und wir alle können die Liebe leben auch in diesen Tagen. Vielleicht auf Abstand, aber in den Herzen können wir nahe beieinander sein.

 

 

 

Und der Friede Gottes, der höher als all unsere Vernunft,

der bewahre eure Herzen in Jesus Christus zum ewigen Leben.