Liebe BesucherInnen unserer homepage,

 

ich wünsche Euch, dass es Euch gut geht, Ihr gesund seid und die Möglichkeit habt, trotz der derzeit gebotenen Einschränkungen die Zeit für Euch selber und Eure Lieben auf gute Weise zu nutzen.

 

Die Kontaktsperre mit all ihren Konsequenzen ist für viele eine einzige Belastung, so notwendig sie auch ist, um Schlimmeres zu verhindern.

 

Bei uns auf dem Lande können wir uns wenigstens auf`s Rad schwingen und den schönen Naturpark Aukrug erkunden, die Natur oder den Garten genießen.

 

Wie viele Menschen haben aber durch Korona richtig gelitten und haben unglaublich schmerzhafte Verluste und existentielle Ängste ertragen müssen…

 

Auch in Hohenwestedt und Umgebung gab es Menschen, die Schlimmes ertragen mussten…Nicht wenige durften nicht mal ihre Angehörigen im Pflegeheim besuchen. Ein Mann erzählte mir, dass er ausnahmsweise auf die Terrasse seiner Mutter im Pflegeheim durfte; die beiden waren durch die Fensterscheibe getrennt und legten ihre Hand jeweils auf eine Seite der Fensterscheibe, konnten sich dabei sehen, aber nicht miteinander reden…

 

Neulich musste ich einen Hohenwestedter beerdigen, der 4 Wochen im Koma auf der Intensivstation an einer Herz- Lungenmaschine gelegen hatte und an den Folgen der Koronainfektion verstorben war -  mit 47 Jahren…

 

 

 

Wie erschreckend nah ist uns doch der Tod gekommen und wie häufig wurden wir erinnert an die Endlichkeit unseres irdischen Daseins. Wie sehr ist uns bewusst geworden,  dass es nicht selbstverständlich ist, mit seinen Liebsten zusammen sein zu können. Ostern habe ich meine Kinder nicht sehen können und war stattdessen am Sterbebett meiner Tante  - zufällig in dem Krankenhaus in Hamburg, in dem ich einst geboren wurde.

 

 

 

Vieles hat mich ganz kleinlaut werden lassen, hat mir zu denken gegeben:

 

Was bleibt?

 

Was bleibt, wenn wir keine Aufgaben mehr haben, die uns erfüllen?

 

Wovon lebe ich eigentlich, wenn die gewohnte Alltagsstruktur, der sonst übervolle Terminkalender und das gewohnte Zusammensein mit Menschen fehlt?

 

Was bedeutet es, wenn das Gefühl  gebraucht zu werden, wenn erfüllende Erfolgserlebnisse und wenn die Anerkennung durch den Beruf wegfällt?

 

Damit müssen nicht wenige Menschen auch unabhängig von Korona  klarkommen, einfach weil sie plötzlich krank oder arbeitslos werden. 

 

 

 

Wovon lebe ich eigentlich?

 

Woran hängt mein Lebensgefühl, mein Leben?

 

Daran erinnert ein Bildwort von Jesus, das Er Seinen Jüngern in den sog. Abschiedsreden auf den Weg gegeben hat - zu finden im Johannesevangelium:

 

Jesus sagt zu Seinen Freunden: „ Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun…“ ( Joh.15, 5)

 

Woran hänge ich? Was gibt mir Lebenssinn? Wovon beziehe ich Halt, Kraft, Orientierung?

 

Wenn die Umstände meines Lebens traurig sind, wenn mir alles weh tut, ich mich verlassen und einsam fühle und wenig Freude verspüre, werde ich offensichtlich kaum Grund zum Jubeln oder Glücksgefühle haben.

 

Und doch ist es notwendig,  dass wir unsere Seele nähren mit einem Lebensproviant, wovon wir zehren können. Der Mensch lebt nicht von Geld, Lebensmitteln, alltäglicher Versorgung und gesellschaftlicher Anerkennung allein – so wichtig das alles ist.

 

Es ist wichtig, einen Schatz im Herzen zu haben, von dem wir auch zehren können, wenn es trocken und düster um uns wird. Wir brauchen solch einen Vorrat an Lebensfreude, Hoffnung, und Zuversicht, damit wir nicht versinken in Selbstmitleid und Kummer, damit wir nicht eingehen wie eine Primel, die kein Licht und kein Wasser mehr bekommt. Wir sollen nicht verschrumpeln wie eine Weintraube, die vom Weinstock abgerissen und weggeworfen wird. Unsere Verbindung zu unserer Lebensquelle, nämlich zu Gott, darf nicht abreißen. Wir brauchen die Beziehung zu Jesus, sonst vertrocknet und verbittert etwas in uns – z.B. letztendlich unsere Lebensfreude.

 

Vieles im hektischen Alltagstrott voll Ablenkung und Termine lässt uns leicht vergessen und verdrängen. Die Gefahr ist groß, dass wir uns verzetteln und das Eigentliche aus den Augen verlieren, was wirklich notwendig ist…

 

Wir aber „hängen“ vor allem an Christus…Das ist unsere Identität als Christenmenschen.

 

Es sind die Herausforderungen des Lebens, ja manchmal auch die Krisen – so gern wir auf sie verzichten würden – die uns die Lebensfragen schlechthin stellen – auch jetzt in der Zeit der Koronakrise.

 

Soll alles so weitergehen? Was muss ich ändern auf meinem weiteren Lebensweg? Was muss ich vor meinem Lebensende noch klären?

 

Wie sieht es aus mit unseren Kontakten, unserem persönlichen Umfeld, Beziehungen, mit den Menschen, die uns anvertraut sind bzw. die sich uns anvertraut haben? Wie sieht es mit unserer Beziehung zu Gott aus? Ist die vielleicht schon ziemlich „verschrumpelt“, weil wir bisher immer genug Gründe fanden, jeglichen Kontakt zu vermeiden?

 

Leben wir als evangelische Christenmenschen vom Evangelium, vom Wort der Bibel her oder hat sich da schon eine dicke Isolations- und Staubschicht abgelagert? Wie sieht unser ganz praktischer Glaube im Alltag aus und wie wird der genährt, gelebt und welche Folgen erwachsen daraus?

 

Wir sind dem lieben Gott wichtig. Er liebt uns! Davon leben wir. Das dürfen wir nie vergessen. Geben wir uns eine Chance, dass Er „in uns“ und wir „in Ihm“ sind, so wie Jesus sich ausdrückt?

 

Vielleicht ist es gerade jetzt dran, ein neues Kapitel aufzuschlagen, mit Ihm ganz offen all das, was uns bewegt, im Gebet hinzulegen und sich von Ihm berühren zu lassen.

 

Vielleicht ist es dran, Freunde, Angehörigen und die Menschen, mit denen wir zu tun haben, schmecken zu lassen von den „Früchten“ unserer Lebensfreude, von denen wir leben.

 

Dass wir geistlich wachsen, Frucht bringen, die Freude von Jesus her immer wieder neu spüren und sie als Christenmenschen auch weiter geben können, vor allem aber, dass wir „dran  bleiben – das wünsche ich uns allen.

 

Wo auch immer Ihr gerade seid - bleibt gesund und behütet!

 

 

 

Pastor Torsten Wessel